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Reblaus
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Die Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae, Syn.: Viteus vitifoliae) ist eine Pflanzenlaus aus der Familie der ZwerglÀuse (Phylloxeridae). In Europa im 19. Jahrhundert als Neozoon aus Nordamerika eingeschleppt, gilt sie bis heute als bedeutender SchÀdling im Weinbau.
Contents
⹠Körperbau
âą Lebenszyklus
âą Holozyklus
âą Anholozyklus
âą Verbreitung
âą Geschichte
⹠BekÀmpfung
âą Trivia
âą Literatur
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Körperbau
ReblÀuse erreichen eine KörperlÀnge von 0,7 bis 1,4 Millimeter und sind damit kleine BlattlÀuse.cite-ref-blackman-1-0[1]
Die am hĂ€ufigsten anzutreffende Generation, die flĂŒgellosen, parthenogenetischen Weibchen (in den Wurzel- oder Blattgallen), ist gelb gefĂ€rbt, völlig ohne Wachsplatten oder WachsĂŒberzĂŒge. Der Körper ist im Umriss ei- bis birnenförmig (vorn abgerundet und zum Hinterende zugespitzt). Der Kopf, der Rumpfabschnitt (Thorax) und die ersten Hinterleibssegmente sind in einen ungegliederten Abschnitt ohne sichtbare Segmentgrenzen verschmolzen, dieser wird manchmal Cephalothorax genannt. An dem hinteren Hinterleibsabschnitt sind die Segmentgrenzen erkennbar. Die dunkel gefĂ€rbten Augen sind sichtbar, aber sehr klein, sie bestehen aus nur drei Ommatidien. Die Antennen sind sehr kurz, etwa 0,09 mm lang. Sie bestehen aus nur drei Gliedern, d. h. die AntennengeiĂel (Flagellum) ist zu einem Glied verschmolzen. Das letzte Segment trĂ€gt zur Spitze hin einen abgesetzte, runde, manchmal kurz zapfenartige Riechplatte, Rhinarium oder Sensorium genannt. Dieser ist wesentlich kleiner als bei der Gattung Phylloxera (Gattungsmerkmal), die aber nicht an Weinreben vorkommt. Der SaugrĂŒssel ist im VerhĂ€ltnis zur KörpergröĂe lang (ca. 1,5 mm), er reicht zurĂŒckgelegt bis hinter die HinterhĂŒften. Die Beine sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig kurz und schwach, die Weibchen sind kaum laufaktiv.cite-ref-halaj-2-0[2]
Typisch fĂŒr die Art wie fĂŒr alle Vertreter der Familie (Phylloxeridae): Ein Ă€uĂerer Legebohrer (Ovipositor) ist nicht vorhanden (Unterschied zu den Adelgidae). Am Hinterleibsende fehlen die Siphunculi oder Siphonen, knopf- oder röhrenförmige paarige FortsĂ€tze, die ein Alarmpheromon abgeben (Unterschied zu fast allen Aphididae).
Die parthenogenetischen Weibchen (Virginoparae), die in Blattgallen leben, sind nicht durch klare morphologische Merkmale von denjenigen der Wurzelgallen unterschieden. Meist sind bei den wurzellebenden Morphen die Beine und Antennen etwas krĂ€ftiger und das Rhinarium erscheint etwas gröĂer. Vermutlich handelt es sich dabei um rein umweltbedingte Modifikationen. Die geflĂŒgelten BlattlĂ€use, die die Geschlechtstiere hervorbringen (Sexuparae) sind insgesamt krĂ€ftiger pigmentiert, mit dunkel gefĂ€rbten Thoraxsegmenten. Die KörperlĂ€nge betrĂ€gt ca. 1 bis 1,5 Millimeter, die VorderflĂŒgellĂ€nge 1,1 bis 1,5 Millimeter, die LĂ€nge der HinterflĂŒgel ca. 0,6 bis 0,8 Millimeter. Die HinterflĂŒgel tragen am Rand zwei Haken (Hamuli), mit denen sie im Flug an die VorderflĂŒgel gekoppelt werden können, diese besitzen dafĂŒr am Hinterrand eine aufgebogene Kante, in die sie eingreifen. Die geflĂŒgelten Tiere besitzen gröĂere Komplexaugen und drei Ocelli. Das GeiĂelglied (Flagellum) der etwas lĂ€ngeren und krĂ€ftigeren Antennen besitzt nicht nur ein, sondern zwei Rhinarien. Sehr selten wurden bei der Reblaus auch geflĂŒgelte parthenogenetische Weibchen (Virginoparae alatae) angegeben, die aber wohl nur als seltene Ausnahme vorkommen. Sie unterscheiden sich kaum von der normalen geflĂŒgelten Morphe. Die eigentlichen Geschlechtstiere (Sexuales) sind flĂŒgellos, mit zurĂŒckgebildeten Mundwerkzeugen und funktionslosem Darm.cite-ref-huber-3-0[3] Wie bei allen Phylloxeridae werden bei der Reblaus bei den geflĂŒgelten Morphen die FlĂŒgel in Ruhelage nicht dachförmig ĂŒber dem Hinterleib, sondern fach ausgebreitet getragen.
Lebenszyklus
Der Lebenszyklus der Reblaus ist komplex. Die VerhĂ€ltnisse werden weiter verkompliziert dadurch, dass fĂŒr verschiedene Stadien unterschiedliche Begriffe eingefĂŒhrt worden sind.
Holozyklus
Im Grundplancite-ref-forneck-5-0[5]cite-ref-huber-3-1[3] wechseln bei der Reblaus, wie bei den meisten BlattlĂ€usen, eine Generation mit geschlechtlicher Fortpflanzung ab mit mehreren aufeinander folgenden Generationen mit ungeschlechtlicher Fortpflanzung. Bei der ungeschlechtlichen Fortpflanzung sind alle Individuen Weibchen, dies ist eine Form der Parthenogenese. Folgen geschlechtliche und ungeschlechtliche Fortpflanzung wie hier regelmĂ€Ăig aufeinander, spricht man von Generationswechsel (Heterogonie). Ein Lebenszyklus mit Generationswechsel wird bei den BlattlĂ€usen holozyklisch genannt (nach altgriechisch áœ
λοÏ, holos: ganz). Bei der Reblaus haben, wie bei vielen anderen BlattlĂ€usen, einzelne Populationen die geschlechtliche Fortpflanzung ganz aufgegeben; dies wird dann als anholozyklisch bezeichnet.
Der vollstĂ€ndige, holozyklische Lebenszyklus beginnt im FrĂŒhjahr mit einem Weibchen, das aus einem ĂŒberwinternden Winterei ausschlĂŒpft. Da es die spĂ€tere Population begrĂŒndet, wird es Fundatrix genannt (von lateinisch fundare: grĂŒnden). Die flĂŒgellose Fundatrix beginnt meist an BlĂ€ttern zu saugen (ein direkter Befall von Wurzeln ist aber möglich und wurde mehrfach bestĂ€tigt). Durch den Saugvorgang beginnt die BlattoberflĂ€che zu wuchern und eine Pflanzengalle hervorzubringen, in deren hohlen Inneren die Blattlaus lebt. Die Galle sitzt dabei auf der Blattunterseite, ist aber durch eine kleine Ăffnung auf der Oberseite mit der AuĂenwelt verbunden. Die Fundatrix legt nun (unbefruchtete) Eier ab, aus denen Nymphen genannte Jugendstadien ausschlĂŒpfen. Die Nymphen des ersten Stadiums verlassen die Galle und beginnen an anderer Stelle zu saugen, wo sie eine eigene Galle induzieren, nur dieses Stadium ist stĂ€rker beweglich und imstande, lĂ€ngere Strecken zu laufen. Das dritte Nymphenstadium wandelt sich in ein erwachsenes (imaginales) Tier um, immer ein Weibchen. Auch diese (parthogenetischen) Weibchen legen nun Eier, aus denen Nymphen schlĂŒpfen, die eine neue Generation parthenogenetischer Weibchen hervorbringen. Insgesamt folgen so mehrere, meist vier bis fĂŒnf, parthenogenetische Generationen aufeinander. Im Gegensatz zu den meisten BlattlĂ€usen (den Aphidoidea im engeren Sinne) legen bei der Familie Phylloxeridae, der die Reblaus angehört, auch die parthenogenetischen Generationen immer Eier ab, sie sind nicht vivipar.
SpĂ€ter im Jahr beginnen einige Nymphen, von den BlĂ€ttern abzuwandern (oder sie fallen schlicht herunter). Sie erreichen ĂŒber BodenhohlrĂ€ume die Wurzeln und beginnen hier zu saugen. Auch an den Wurzeln werden Gallen induziert, die verschieden aussehen, je nachdem, ob sie an jungen oder an Ă€lteren, schon verholzten Wurzeln sitzen. Es folgen, genau wie an den BlĂ€ttern, mehrere Generationen parthenogenetischer Weibchen aufeinander. Einzelne davon können auch an BlĂ€tter zurĂŒckwandern. Die parthenogenetischen Weibchen an BlĂ€ttern und Wurzeln sehen im Prinzip gleich aus, es bestehen nur ganz geringfĂŒgige morphologische Unterschiede. SpĂ€t im Jahr, im SpĂ€tsommer bis Herbst, beginnen die an den Wurzeln saugenden parthenogenetischen Weibchen, zunehmend Nymphen hervorzubringen, aus denen sich geflĂŒgelte BlattlĂ€use entwickeln. Diese sind von den anderen Nymphen im letzten Stadium daran zu unterscheiden, dass die Anlagen der FlĂŒgel Ă€uĂerlich als FlĂŒgelscheiden sichtbar sind. Die geflĂŒgelten BlattlĂ€use sind selbst keine Geschlechtstiere, bringen diese aber hervor, weswegen sie Sexuparae genannt werden (von lateinisch parere: gebĂ€ren). Die geflĂŒgelten Sexuparae sind ein Ausbreitungsstadium: aus dem Boden hervorgekrochen, können sie zu entfernt stehenden Reben fliegen und diese infizieren. Aus den (4 bis 8) Eiern der Sexuparae schlĂŒpfen die Nymphen der eigentlichen Geschlechtstiere (Sexualis), dabei kann meist aus der GröĂe der Blattlaus und der GröĂe des gelegten Eis vorhergesagt werden, ob ein MĂ€nnchen oder Weibchen schlĂŒpfen wird. Nur in diesem Stadium treten also auch MĂ€nnchen auf. Die Sexuales nehmen gar keine Nahrung auf. MĂ€nnliche und weibliche Sexuales paaren sich, anschlieĂend legt das Weibchen ein einzelnes Ei unter die Rinde des Rebstocks ab, das als Dauerei ĂŒberwintern kann, aus ihm schlĂŒpft im FrĂŒhjahr wieder eine Fundatrix aus. Damit ist der Zyklus geschlossen.
Wodurch die Produktion von Geschlechtstieren bei der Reblaus induziert wird, ist immer noch ungeklÀrt. Möglich wÀren fallende Temperaturen, verÀnderte TageslÀngen oder auch schlechtere ErnÀhrungssituation an den Reben, etwa im Angebot verschiedener AminosÀuren, als auslösender Faktor.
Anholozyklus
Bei vielen Populationen der Reblaus ist dieser Lebenszyklus sekundĂ€r vereinfacht. Oft wird die sexuelle Fortpflanzung ganz aufgegeben. Alle ReblĂ€use saugen dann an Wurzeln, es werden keine Blattgallen gebildet. Die letzte der zahlreichen parthenogenetischen Generationen legt Eier, aus denen besondere, resistente Nymphen schlĂŒpfen, die im ersten oder zweiten Stadium ĂŒberwintern. Genetische Daten weisen sowohl bei europĂ€ischen ReblĂ€usen, wie auch bei solchen aus Australien und Neuseeland, wie auch bei ReblĂ€usen an (europĂ€ischen) Weinreben in den Weinbaugebieten Kaliforniens darauf hin, dass keine, oder fast keine, sexuelle Fortpflanzung vorkommt. Die Populationen vermehren sich also nur parthenogenetisch, die Nachkommen sind Klone ihrer Mutter. WĂ€hrend in Australien nur zwei StĂ€mme verbreitet waren, wurden in Europa zahlreiche untereinander verschiedene nachgewiesen, die aber nicht untereinander kreuzen; dies wird als Hinweis auf zahlreiche unabhĂ€ngige Einschleppungsereignisse aus Nordamerika gewertet.cite-ref-forneck-5-1[5] Vermutlich haben die europĂ€ischen ReblĂ€use die FĂ€higkeit zur geschlechtlichen Fortpflanzung nicht genetisch verloren. Die sexuelle Generation wird aber entweder gar nicht induziert oder ist aufgrund ungĂŒnstiger UmwelteinflĂŒsse nicht erfolgreich.
In Mittel- und Nordeuropa sind anholozyklische ReblĂ€use an den Wurzeln die Regel. Wenn ein Holozyklus beschrieben wurde, dann im wĂ€rmeren SĂŒdeuropa.
Eine andere Abweichung des Lebenszyklus kommt nur bei ReblĂ€usen vor, die an der wildlebenden Vitis arizonica (vorkommend in Arizona und New Mexico, Nordamerika) leben.cite-ref-downie-6-0[6] Hier bringen die parthenogenetischen Weibchen in den Blattgallen flĂŒgellose Sexuparae hervor, die dann Sexuales erzeugen. Nach der Paarung werden wie ĂŒblich von den Weibchen Dauereier unter der Rinde abgelegt. Ein Befall der Wurzeln tritt ĂŒberhaupt nicht auf. Derselbe Lebenszyklus wurde spĂ€ter auch an Vitis girdiana (in Kalifornien) und Vitis cinerea nachgewiesen, nie hingegen an Vitis vinifera.
Verbreitung
Die Reblaus kommt natĂŒrlicherweise ursprĂŒnglich nur in Nordamerika vor. Ihre Wirtsarten dort sind Arten aus der Pflanzengattung der Weinreben (Vitis), insbesondere die Arten Vitis berlandieri, Vitis cinerea, Vitis labrusca, Vitis riparia und Vitis rupestris. Die in Eurasien verbreitete Vitis vinifera wurde erst von den europĂ€ischen Siedlern nach Nordamerika eingefĂŒhrt. Viele der heute angebauten Reben sind Hybride aus europĂ€ischen und amerikanischen Reben, auch diese werden befallen.
SpÀter wurde die Reblaus, durch den Transport infizierter Reben, in nahezu alle Weinbaugebiete der Welt eingeschleppt. Als Ausnahme sind die Weinkulturen Chiles und der Insel Zypern frei von ReblÀusen.cite-ref-halaj-2-1[2]
Geschichte
Die aus Nordamerika stammende Blattlaus wurde in den 1860er Jahren durch Rebstöcke von der OstkĂŒste Amerikas ĂŒber London ins sĂŒdliche Frankreich eingeschleppt (ab 1863 nachgewiesen) und breitete sich in der Reblausinvasion rasant von dort ĂŒber sĂ€mtliche europĂ€ische Weinbaugebiete aus. In der Folge kam es im europĂ€ischen Weinbau zu dramatischen VerwĂŒstungen, der sogenannten âReblauskriseâ oder âReblauskatastropheâ.
Besonders traf es Frankreich. Zwischen 1865 und 1885 zerstörte die Reblaus groĂe Teile der französischen Weinanbaugebiete, die erst um 1850 nach der Mehltaukrise durch neue Reben aus Amerika ersetzt worden waren. Dies hatte katastrophale Folgen fĂŒr die französische Landwirtschaft. Insgesamt wurden allein in Frankreich annĂ€hernd 2,5 Millionen Hektar RebflĂ€che vernichtet. 1870 setzte die französische Regierung eine Kommission zur BekĂ€mpfung der Reblaus unter Vorsitz des Chemikers Jean-Baptiste Dumas ein.cite-ref-7[7] 1885 folgte ihm Louis Pasteur als Vorsitzender, der bereits zuvor Mitglied der Kommission war. Die BemĂŒhungen der Kommission waren aber langfristig erfolglos, da sie die chemische SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung bevorzugte und nicht die Verwendung resistenter Wurzelstöcke, die vor allem in Montpellier von Jules Ămile Planchon und seinen SchĂŒlern betrieben wurde. Planchon arbeitete dabei eng mit amerikanischen RebenzĂŒchtern und Weinbauwissenschaftlern wie George Hussman (1827â1903), Professor fĂŒr Landwirtschaft an der University of Missouri in Columbia, Charles Valentine Riley (1843â1895), staatlicher Entomologe, dem Winzer und RebenzĂŒchter Hermann Jaeger (1844â1895) aus Neosho (Missouri) sowie dem texanischen RebenzĂŒchter Thomas Volney Munson (1843â1913) zusammen. Die amerikanischen Winzer schickten ihm reblausresistente amerikanische Rebensorten, die Planchon als Unterlage fĂŒr französische Edelsorten verwendete.
In Klosterneuburg im Weinbaugebiet Wagram trat die Reblaus erstmals 1867 auf, in deutschen Weinbaugebieten erstmals 1874 in der NĂ€he von Bonn in der Gartenanlage Annaberg, um 1885 in Loschwitz bei Dresden (siehe auch Reblauskatastrophe in der LöĂnitz), 1907 im Mosel-Saar-Ruwer-Gebiet und 1913 im Weinbaugebiet Baden. In Deutschland trieb Adolph Blankenhorn die BekĂ€mpfung der Reblaus voran.
Im Deutschen Reich wurde, basierend auf den Erkenntnissen anderer Staaten, 1875 mit dem Gesetz Nr. 1067 âMaĂregeln gegen die Reblauskrankheit betreffendâ reagiert, indem u. a. auch Einfuhrverbote fĂŒr auslĂ€ndische Reben angeordnet wurden. Weitere Reichsgesetze dieser Art folgten 1883 und 1904.cite-ref-8[8] Bereits 1878 gab es einen europĂ€ischen Vertrag, der die nationalen EindĂ€mmungsbemĂŒhungen harmonisierte.cite-ref-9[9] Die exekutive Verantwortlichkeit fĂŒr die MaĂnahmen wurde in die HĂ€nde von Reblaus-Kommissionen gelegt, welche zunĂ€chst durch das Reichskanzleramt,cite-ref-10[10] spĂ€ter von den MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder ernannt wurden.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12] Bekannte Mitglieder solcher Reblaus-Kommissionen waren Ernst Adolph TrĂ€nhardt,cite-ref-13[13] Philipp Bertkaucite-ref-14[14] und Ludwig Dosch.cite-ref-15[15] Die aufgrund der von diesen Kommissionen verfĂŒgten teilweise drakonischen EindĂ€mmungsmaĂnahmen fĂŒhrten nicht selten zu massiven Konflikten mit der Weinwirtschaft.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17]cite-ref-18[18]
Durch KlimaverÀnderungen, brachliegende Weinberge und steigende Anzahl von Hausreben (Zierreben) erlebt die Reblaus derzeit eine Renaissance.cite-ref-19[19]
SchÀden an der Rebe
An sich ist die Reblaus ein GelegenheitsschĂ€dling. Durch Monokulturen kann es zu Epidemien kommen. Die Blattreblaus ist das geringere Ăbel, sie wirkt sich nur bei extrem starkem Befall auf das Wachstum aus. Den bedeutendsten Schaden richten die WurzelreblĂ€use an, da durch ihre SaugtĂ€tigkeit die Leitgewebe der Wurzeln geschĂ€digt werden. Die Folge fĂŒr die Pflanze ist Wasser- und NĂ€hrstoffmangel, der zum Absterben der Rebe fĂŒhren kann.
BekÀmpfung
Biotechnische BekÀmpfung
Zur BekĂ€mpfung werden reblausresistente âUnterlagsrebenâ aus Amerika (Vitis riparia, Vitis berlandieri, Vitis rupestris, Vitis cinerea oder deren daraus erzeugte Hybriden) mit einheimischen Edelreisern (Vitis vinifera) gepfropft (veredelt). So kann der komplizierte Fortpflanzungszyklus der Reblaus unterbrochen werden. Fast alle WeingĂ€rten der Welt stehen heute auf einer geeigneten, dem Standort angepassten Unterlagsrebe.
Im Ertragsweinbau gibt es weltweit nur wenige Lagen bzw. Gebiete, wo wurzelechte Reben (ungepfropfte, nicht veredelte) gepflanzt werden können. Sandböden haben den Vorteil, dass die Reblaus sich hier nicht entwickeln kann. Deshalb blieben wÀhrend der Reblaus-Katastrophe solche WeingÀrten als einzige verschont, beispielsweise im Weinbau Ungarns.
Chemische BekÀmpfung
Die Bodeninjektion mit Kohlenstoffdisulfid (Schwefelkohlenstoff) war eine wirksame, aber arbeitsaufwĂ€ndige und teure ReblausbekĂ€mpfungsmethode. Man brachte den flĂŒssigen, leicht verdunstenden, hochentzĂŒndlichen und giftigen Schwefelkohlenstoff mit Handinjektoren in den Hauptwurzelbereich von befallenen Rebstöcken. Durch die Veredlung der Edelsorte mit einer widerstandsfĂ€higen Unterlagsrebe wurde diese Methode ĂŒberflĂŒssig. Sie ist seit 1997 verboten.
Phylogenie, Taxonomie, Systematik
Die Art wurde 1855 von Asa Fitch als Pemphigus vitifoliae, âthe grape leaf louseâ nach Tieren aus Blattgallen in New York State erstbeschrieben.cite-ref-fitch-20-0[20] SpĂ€tere Autoren fĂŒhrten, aus grammatikalischen GrĂŒnden, die Schreibvarianten vitifolii, vitis folii, vitisfolii ein; diese sind lange Zeit verwendet worden, nach den Nomenklaturregeln aber nicht korrekt. Vor allem im 19. Jahrhundert war zeitweise das Synonym Rhizaphis vastatrix Planchon, 1868 als wissenschaftlicher Name fĂŒr die Reblaus verbreitet.
Der Gattungsname war lange Zeit unklar und ist teilweise bis heute umstritten. Dies hat mit Problemen bei der Beschreibung der Gattung zu tun. Der US-amerikanische Naturforscher Henry Shimer (1828â1895) erkannte 1866, dass die Art gemeinsam mit anderen nordamerikanischen BlattlĂ€usen Merkmale aufweist, die die Einrichtung einer neuen Gattung erforderlich machten, ohne diese formal zu beschreiben und einen Namen dafĂŒr zu vergeben. In einem zweiten Artikel im selben Jahr kam er darauf zurĂŒck und beschrieb nun eine neue Gattung Daktulosphaira, mit der Reblaus als einziger Art (Namensherleitung von griechisch dĂĄktylos âFingerâ und griechisch sphaĂźra âBallâ). Im folgenden Jahr beschrieb er dieselbe Gattung ein zweites Mal, nun unter dem Namen Dactylosphaera, mit zwei Arten, globosa (heute Phylloxera globosa) und vitifoliae, ohne seine Arbeit aus dem Vorjahr zu zitieren oder zu erwĂ€hnen. In einer Notiz fĂŒgte er an, wenn sich herausstellen sollte, dass beide Arten in verschiedene Gattungen gehören, wĂŒrde er fĂŒr die Reblaus den Gattungsnamen Viteus vorschlagen. Viele spĂ€tere Taxonomen haben daraufhin die Beschreibung von 1866, die in einer obskuren Zeitschrift erschienen war, entweder ĂŒbersehen, oder sie nahmen an, dass Dactylosphaera eine Emendation von Daktulosphaira sein sollte und ignorierten den Ă€lteren Namen. Viele fĂŒhrten die Art auch in einer weitgefassten Gattung Phylloxera. Der renommierte Blattlaus-Experte Carl Julius Bernhard Börner entschied 1930, dass Dactylosphaera und Viteus korrekte Gattungsnamen seien, Daktulospheira nur eine korrigierte Falschschreibung, und dass die Reblaus in die Gattung Viteus Shimer, 1867 einzuordnen sei. Dies war in Europa lange Zeit maĂgeblich. Im Jahr 1974 schrieb die US-amerikanische Entomologin Louise M. Russell einen Artikel, in dem sie Daktulosphaira als validen Namen der Gattung wieder einsetzte, vor allem auch deswegen, weil Dactylosphaera mit Dactylosphaera globosa Shimer, 1867 eine andere Typusart hat.cite-ref-russell-21-0[21] Darin sind ihr die meisten Taxonomen gefolgt, aber nicht alle.
Die Reblaus Daktulospheira vitifoliae ist derzeit die einzige Art der Gattung Daktulospheira, diese damit monotypisch. Aufgrund der verworrenen Taxonomie der amerikanischen, an BÀumen lebenden Phylloxeridae, bei denen zahlreiche Artnamen ungeklÀrt, oft nur nach der Form der Gallen beschrieben worden sind, ist dies aber nur ein vorlÀufiger Stand.cite-ref-favret-22-0[22] Die Phylloxeridae wurden lange Zeit nicht revidiert und wurden bisher nicht mit modernen, genetischen Methoden untersucht. Die SchwestergruppenverhÀltnisse sind daher ungeklÀrt.
Die Familie Phylloxeridae, der die Reblaus angehört, bildet gemeinsam mit den Adelgidae eine von den anderen BlattlĂ€usen (der Familie Aphididae) stark abweichende Gruppe, die sich unter anderem dadurch auszeichnen, dass auch die parthenogenetischen Weibchen Eier legen, sie also nicht, wie die anderen BlattlĂ€use, vivipar sind. Auch hier sind die SchwestergruppenverhĂ€ltnisse aber ungeklĂ€rt. Viele Autoren stellen Phylloxeridae und Adelgidae in eine gemeinsame Ăberfamilie Adelgoidea. Meist wird aber fĂŒr sie eine separate Ăberfamilie Phylloxeroidea anerkannt. Innerhalb der Familie gehört die Reblaus in eine Unterfamilie Phylloxerinae und Tribus Phylloxerini, gemeinsam mit nahezu allen anderen Gattungen und Arten (nur fĂŒr die abweichende Gattung Acanthochermes wurde eine eigene Tribus eingerichtet).cite-ref-heie-23-0[23]
Vermutungen, es gĂ€be eine zweite Reblausart, -rasse oder -unterart (von Börner Peritymbia (Phylloxera) vitifolii pervastatrix genannt), die weiter nördlich verbreitet sei als die echte vitifoliae, haben sich nicht bestĂ€tigt. Auf Grund unterschiedlicher Verhaltensweisen gegenĂŒber den Weinreben hat man festgestellt, dass es verschiedene Biotypen der Reblaus gibt. Je nach Autor werden fĂŒr die Biotypen unterschiedliche Benennungen gebraucht (Biotyp, Performance Type, Strain, Superclone). In Kalifornien wird zwischen zwei Reblausbiotypen A und B unterschieden, die sich in ihrer AggressivitĂ€t gegenĂŒber der Unterlagensorte AĂR 1 (Vitis vinifera (âAramonâ) Ă Vitis rupestris) unterscheiden.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]
Trivia
Angesichts ihrer Begierde nach Wein stand die Reblaus Pate fĂŒr das bekannte gleichnamige Wienerlied, das durch Hans Moser populĂ€r wurde.
Literatur
âą Karl Bauer u. a.: Weinbau. 8. Auflage. Ăsterreichischer Agrarverlag, Wien 2008, ISBN 3-7040-1765-5.
âą Victor Fatio: Die Phylloxera (Reblaus). KurzgefaĂte Anweisungen zum Gebrauche fĂŒr die kantonalen und eidgenössischen Experten in der Schweiz. Ins Deutsche ĂŒbertragen von H. KrĂ€mer. 2. Auflage. Aarau 1879.
âą Hermann Goethe: Die Reblaus. Eine volksthĂŒmliche Belehrung ĂŒber die Eigenschaften und Lebensweise dieses gefĂ€hrlichsten Rebfeindes mit Angabe der gegen denselben zu ergreifenden MaĂregeln. Graz 1881 (Digitalisat).
âą Walter Hillebrand, Dieter Lorenz, Friedrich Louis: Rebschutz. 11. Auflage. Fachverlag Fraund, Mainz 1998, ISBN 3-921156-36-X.
âą Hanns-Heinz Kassemeyer, GĂŒnter Schruft: Krankheiten und SchĂ€dlinge der Weinrebe. Th. Mann, Gelsenkirchen 1999, ISBN 3-7862-0112-9.
âą Jos. A. Massard: Vor hundert Jahren: Die Reblaus ist da ! Ein ungebetener Gast aus Amerika bringt den Luxemburger Weinbau in Gefahr. In: LĂ«tzebuerger Journal. Nr. 143 (27. Jul.), 2007, S. 19â21 (PDF).
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Reblaus (
Daktulosphaira vitifoliae
)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Reblaus
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Rechtstexte zur BekÀmpfung der Reblaus (Deutschland)
â Quellen und Volltexte
âą champagner.com â Reblaus (Phylloxera), abgefragt am 16. Oktober 2022;
âą Daktulosphaira vitifoliae (=Viteus vitifoliae) Grape phylloxera. Mit zahlreichen Bildern. Aphid identification, InfluentialPoints Services for ecologists, medics and veterinarians. Abgerufen am 15. April 2024
âą Reblaus bei Vitipendium.de, abgefragt am 16. Oktober 2022;
âą Reblaus bei Hortipendium.de, abgefragt am 16. Oktober 2022;
âą Reblaus bei Rebschutzdienst NĂ, abgefragt am 16. Oktober 2022;
Einzelnachweise
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cite-note-heie-2323. â Ole E. Heie & Piotr Wegierek (2009): A classification of the Aphidomorpha (Hemiptera, Sternorrhyncha). Redia XCII: 69â77.
cite-note-2424. â Christoph Hoffmann: Reblaus-FachgesprĂ€ch beim Institut fĂŒr Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Siebeldingen. (PDF) In: Journal fĂŒr Kulturpflanzen Nr. 63. 2011, S. 340 bis 343, abgerufen am 15. April 2015 (mit weiteren Literaturangaben).
cite-note-2525. â Andreas Kopf: Untersuchungen zur Abundanz der Reblaus (Dactylosphaera vitifolii Shimer) und zur NodositĂ€tenbildung in AbhĂ€ngigkeit von Umweltfaktoren, Dissertation. Hrsg.: UniversitĂ€t Hohenheim. 2000 (Volltext [PDF; 2,5 MB]).